La dolce vita

 
Installation einer Baustelle für eine Installation
 
Kryptonale 10 Berlin, September 2004

 
Datenschuttz
zurück
  Presseartikel

Konzept: ka (Bartram & Peters)
Sprecher: Björn Ole Blunck
Tonmaterial: Andreas Peters

Wortlaut des gesprochenen Informationstextes:
 
Zucker - süßes Gold - Symbol für Glück und Freude, Reichtum und Überfluß. So zumindest bis zum 19. Jahrhundert als Zucker in Europa eine luxuriöse Köstlichkeit war, die sich nur die Reichen leisten konnten. Mit der Einführung der industriellen Fertigung von Zucker aus Zuckerrüben konnten dann zwar auch breitere gesellschaftliche Schichten regelmäßig Zucker konsumieren, seinen Symbolgehalt verlor der Zucker indes nicht vollends. So versüßen wir heute noch festliche Anlässe, sei es mit der Hochzeitstorte, dem Geburtstagskuchen und man denke an die rundum süßen Verführungen zu Weihnachten und Ostern.
Die Entwicklung des Zuckers zum Gegenstand des täglichen Bedarfs in Europa war jedoch nicht gleichbedeutend mit seiner globalen Entwicklung. So blieb in anderen Teilen der Welt Zucker noch lange ein Luxusgut. Selbst heute ist der Zuckerkonsum weltweit recht unterschiedlich und das nicht nur aus kulturell bedingten Gründen. So werden in Deutschland im Jahr pro Kopf 37 kg Zucker konsumiert, während der Pro-Kopf-Konsum in Ghana pro Jahr gerade mal 6,9 kg beträgt.
Zucker als Symbol für das süße und sorgenlose Leben war Anstoß für diese Installation, ausgelöst durch eine Begebenheit auf einem damaszener Basar. Als Dank für den Kauf einer größeren Menge von Gewürzen und Tees, die wir mit nach Deutschland nehmen wollten, schenkte uns der Verkäufer eine Stange Kandiszucker. Ein bettelndes Kind hätte diese liebend gerne gehabt, wir aber wollten die Zuckerstange lieber als Andenken mit nach Hause nehmen - la dolce vita - einige haben es, einige nicht.
Die symbolische und sinnliche Berarbeitung des Themas der unterschiedlichen materiellen Grundvoraussetzung, u.a. resultierend aus einer ungleichen Verteilung von Gütern des täglichen Bedarfs, steht im Zentrum der Installation La Dolce Vita.
In der Mitte der vor ihnen liegenden abgesperrten Fläche wird an einem Seil von der Decke herab ein Sack mit 37 kg feinem Raffinade-Zucker befestigt. An einer der unteren Ecken vom Sack befindet sich ein kleines Loch, so dass hier der Zucker über einen Zeitraum von mehreren Tagen heraus rieselt. Er fällt in ein Feld darunter stehender Blechnäpfe, auf dem der Zucker pyramidenförmig ansteigt. Auf diese Weise wird der mittlere Napf am meisten und die um ihn herum stehen Näpfe mit zunehmendem Abstand weniger bis gar nicht gefüllt.
 

Mit Mikrophonen, die über den mittleren Näpfen hängen, wird das Auftreffen der rieselnden Kristalle aufgenommen und über die 8-Kanalanlage elektroakustisch verstärkt. Das permanente Geräusch/Rauschen, das herbei entsteht erfüllt damit den gesamten Raum.